BIOGRAFIE

„Lena Belkina – was für eine Stimme! Ihr kann man eine große Karriere voraussagen.“ Derart überschwänglich äußerte sich der Kultursender des Hessischen Rundfunks über Belkinas Debüt-Album mit Arien von Rossini, Donizetti und Bellini. Und in der Tat – der Karriereweg der jungen Mezzosopranistin kennt derzeit nur eine Richtung: nach oben.

Nach ihrem internationalen Durchbruch 2012 als Angelina in der Mondovision Live-Verfilmung von Rossinis „La Cenerentola“ ging es Schlag auf Schlag. Als Rosina in „Il Babiere di Siviglia“ gastierte Belkina an der Deutschen Opera am Rhein (2012 und 2013), als Cherubino in „Le nozze di Figaro“ war sie in Tokyo (2013) und Madrid (2014) zu erleben. An der Seite von Opernlegende Elena Obraztsova begeisterte sie 2014 als Polina in „Pique Dame“ in Sankt Petersburg. Im selben Sommer triumphierte sie beim Rossini-Festival in Pesaro in der Rolle des Arsace in „Aureliano di Palmira“. 2015 folgten Einladungen nach München (Dorabella in „Così fan tutte“) und Malmö (Olga in „Eugen Onegin“) sowie die Rückkehr nach Pesaro als Pippo in „La gazza ladra“. Großen Erfolg hatte sie im Dezember 2015 bei einem Soloabend mit dem Jerusalem Symphonie Orchester unter der Leitung von Frederic Chaslin – so groß, dass sie postwendend für die Spielzeiteröffnung 2016/17 mit Mahlers „Lied von der Erde“ verpflichtet wurde. Und auch das Jahr 2016 begann glanzvoll für die junge Sängerin mit einer „Cenerentola“-Neuproduktion an der Staatsoper in Prag.

Sich musikalisch mitzuteilen, das ist für Lena Belkina seit Kindheitstagen eine Selbstverständlichkeit. Schon früh sammelte sie Bühnenerfahrungen in ihrer Heimatstadt Dschankoj auf der Halbinsel Krim, studierte später auch Klavier an der dortigen Musikschule. Mit 14 erhielt sie ihren ersten professionellen Gesangsunterricht. Nur ein Jahr später wechselte sie nach Kiew, wo sie zunächst am Glier-Institut für Musik bei Nikolaj Gorbatov und dann an der Tchaikovsky Musik Akademie bei Eugenia Miroshnichenko Gesang studierte. Ihr erster Lehrer hatte ihr zu diesem Schritt geraten, weil es auf der Krim keine Operntradition gibt. Und Belkina sog alles in sich auf wie ein Schwamm und war fast jeden Abend in der Oper anzutreffen.

Dass sie vor Herausforderungen nicht zurückschreckt, bewies Belkina erneut im Jahr 2009. Als ihr nach dem Gewinn des internationalen Gesangswettbewerbs Boris Gmyria in Kiew ein Festengagement an der Oper Leipzig angeboten wurde, dachte sie nicht lange nach. Die damals 21-Jährige belegte einen Deutsch-Intensivkurs im Goethe-Institut und machte sich auf in die Stadt Bachs und Mendelssohns. Neben ihren Auftritten in Oper und Konzert erwarb sie an der dortigen Musikhochschule bei Roland Schubert auch noch ein deutsches Diplom – mit Auszeichnung. Drei Jahre lang blieb Belkina Leipzig treu, ehe sie für zwei Spielzeiten ins Ensemble der Wiener Staatsoper wechselte, wo sie unter anderem als Cherubino, als Zweite Dame in der ‘Zauberflöte’, als Flora in ‘La Traviata’, und als Javotte in ‘Manon’ zu erleben war. Seitdem ist die Mezzosopranistin freischaffend tätig.

Neben ihren Bühnenauftritten ist Lena Belkina eine gefragte Konzertsängerin. So war sie 2013 in Bonn in Dovřáks Requiem zu erleben, im Gewandhaus in Leipzig sang sie Mahlers „Kindertotenlieder“ (2012), die Altpartie in Prokofieffs „Iwan der Schreckliche“ (2015) und die 2.Sinfonie von Mahler in Flensburg und Sonderburg mit dem Schleswig-Holstein Sinfonieorchester. Beim Dresdner Kunstfest trat sie 2015 mit Mussorgsky “Lieder und Tänze des Todes” auf, die sie auch mit dem Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo im Mai 2017 singt.

Große Namen haben den künstlerischen Werdegang von Lena Belkina begleitet, darunter Dirigenten wie Marco Armiliato, Adam Fischer, Alessandro de Marchi, Ulf Schirmer, Andrea Sanguineti, Tomas Netopil, Paolo Carignani, Jiri Belohlavek und Riccardo Muti sowie Regisseure wie Peter Konwitschny, Claus Guth, Andreas Homoki, Mario Martone, Damiano Michieletto und Oliver Tambosi.

Und auch die nächsten Monate werden spannend für die junge Sängerin: Neben Konzertauftritten unter anderem in Wien, Prag, Sion und auf Schloss Elmau stehen „Barbiere“-Aufführungen in Tokyo sowie spannende Rollendebüts als Varvara in „Katja Kabanova“ (Turin 2017) und „Carmen“ (Bregenzer Festspiele 2017) an. Eine weitere CD wird im Frühjahr bei SONY CLASSICAL erscheinen. Darauf zu hören sind Arien von Gluck, Haydn und Mozart.



Autor: Andreas Laska